Vietnam – Ein neues Rentnerparadies?

Spätestens nach einem langen Winter überlegen Deutschlands Rentner, ob es nicht eine Alternative gibt zur kalten Altersarmut, die einen zu Hause erwarten kann. Einen ruhigen Fleck finden, irgendwo auf der Welt, ist ja nicht für ewig. In den Foren des Internets werden die Rentner-Informationen heiß gehandelt, die Lebenserfahrungen ausgetauscht und die eigenen Entscheidungen hochgelobt bis verklärt. Lebenskosten vor Ort, was machen mit dem Besitz in Deutschland, eine Ehefrau im Land suchen, mit der deutschen Ehefrau auswandern, was ist mit der Gesundheit, was im Falle des Krankwerdens, reicht mein Geld? Fragen die keiner beantworten kann. Das muss man schon selbst herausfinden.

Der Ort Mui Ne, abseits der Touristenzone

Der Ort Mui Ne, abseits der Touristenzone

Holger lebt in Mui Ne, das ist 6 Stunden mit dem Bus nördlich von Ho-Chi-Minh City. Er ist nun schon eine geraume Zeit in Vietnam. Er hat es noch nicht bereut. Sein Leben ist ruhig und beschaulich. Irgendwie scheint ihm, dass die Uhren sich hier langsamer drehen. Genau das hat er gesucht. Es gibt wenig Hektik und Stress, hinzu kommt, dass die Vietnamesen ein sehr freundliches Volk sind und das bei einer 6 Tagearbeitswoche, 12 Tagen Urlaub im Jahr und einem Durchschnittseinkommen von ca. 100 USD pro Monat. Das bleibt ihm ein Rätsel. Er selbst kommt mit 300 € im Monat locker über die Runden, sagt er.

Endlose Strände, unberührtes Hinterland, das ist Mui Ne

Endlose Strände, unberührtes Hinterland, das ist Mui Ne

Kurt lebt auch in der Nähe von Mui Ne und noch viel länger, er hat dort inzwischen eine vietnamesische Frau gefunden. Das war nicht einfach. Heute kümmert er sich nicht mehr ums Geld und macht es wie alle Vietnamesen es tun.  Seine  Frau bekommt das Einkommen, die ganze Rente, bezahlt alles und gibt ihm sein tägliches „Taschengeld“, 150.000 Dong , das sind um die 6€. Mit denen kann er hier prima überleben und über den Tag kommen. Das Saigon Green Bier kostet umgerechnet 30 Cent der halbe Liter und ein Essen gibt es schon für 50 Cent.

Teure Hotels sind vor, aber auch einfache Hütten

Teure Hotels sind vor Ort, aber auch einfache Hütten

In Vietnam zufrieden leben und alt werden, das bleibt wohl jedem selbst überlassen. In der ganzen Diskussion um die Gestaltung des Lebensabends vergisst man zu leicht, dass derjenige mit dem geringeren Einkommen die höhere Kompetenz nachweisen muss. Er muss einfach besser planen. Wesentlich sorgfältiger als der gutbetuchte Rentner mit seinem Haus in Blankenese. Kompetenz heißt: Sich zuständig fühlen. Nie anderen glauben, es nur für möglich halten, was die erzählen.

Natürlich werden einige Landstriche in dieser Welt höchst attraktiv bleiben und einige werden es noch werden.

Dazu gehört mit Sicherheit Vietnam. Doch in drei Jahren wird Vietnam eines der begehrtesten Reiseländer der Welt sein. Bildschöne Küsten, liebenswerte Menschen, krisenunabhängig im Arm des ungeliebten Bruders China und sichere innere Bedingungen und alles in fester Hand der nach Westen gerichteten Partei. Kapitalismus durch die Verwirklichung des Kommunismus. Da bleibt nicht alles beim Alten.

Wer sich mit dort lebenden Ausländern länger beschäftigt, kommt an die Grenzen des Erträglichen und vor allem auch an die Grenzen der Wahrheit.

Da ist beispielsweise Jürgen. Er arbeitet in einem Restaurant in Mui Ne. Im Erstkontakt schwärmt er vom Leben in Vietnam, von der Einfachheit der Visumverlängerung, von dem preiswerten Leben dort und überhaupt. Erst viel später spricht er über die monatlich 100$, die er für seine Arbeit im Restaurant von dem auffälligen Italiener bezieht und das Gehalt täglich ausgezahlt bekommt, jeden Abend nach Schließung der Kasse sind das ganze drei US-Dollar. Er schwärmt von seiner preiswerten Wohnung in Saigon für 60€ im Monat und vom kostenneutralen pendeln mit dem Nachtbus; er spart ja immer eine Übernachtung. Er muss nach Saigon, seine Freundin lebt dort und in Mui Ne findet er nichts, ganz schwierig, meint er. Auf die Frage, was das denn für eine Wohnung sei, stellt sich heraus, dass er in Saigon illegal wohnt, in dem Viertel keine Ausländer zugelassen sind und sein Zimmer kein Fenster hat. Diesen Aussagen nach sieben Saigon-green-beers können wir Bedeutung zumessen, im Weine steckt die Wahrheit …

Wer auswandern will, wer sein Rentenalter im Ausland verbringen will, tut gut daran, genauer hinzuhören und vor allem sich für Kultur und Politik zu interessieren. Dem Thekenabsitzer aus Mariendorf zuzuhören, der es gerade mal bis Neukölln geschafft hat zum Aldi, wenn der von den billigen Ländern schwärmt, macht keinen Sinn. Er wird es nie schaffen und ist schneller wieder hier, als er dort seine Alditüten ausgepackt hat.

Die liebenswerten Länder in Südostasien, Thailand, Vietnam und Kambodscha  sind vorbereitet auf diese Leute. Die Einreise mit einem Dauervisum wird schwer bis unmöglich für die, die kein Geld haben. Klar, hier wird das Alter geschätzt, hier werden alte Menschen respektiert, doch sie müssen es zumindest noch alleine schaffen bis zum nächsten Bankautomat. Und ist da nix mehr zu holen, dann wird der Rollstuhl zum Einchecken bei Airberlin geschoben, mitsamt dem Besitzer.

Vietnam

Einfaches Restaurant mit guten Meeresfrüchten

Wer all diese Bedingungen beherzigt, für den ist Mui Ne eine sehr gute Alternative fürs Rentendasein. Ein wunderbarer Ort mit einer Infrastruktur, die das Leben angenehm machen kann. Gute, vielfältige Restaurants, preiswerte Wohnungen und ein interessantes Klima. Denn es gibt keine richtige Begründung, warum es gerade in Mui Ne nicht regnet. Die tropischen Tiefs ziehen oben und unten vorbei, in Mui Ne kommt nichts runter. Das Hinterland hat daher spektakuläre riesige Sanddünenlandschaften.

Trockenzone Vietnam

Trockenzone Vietnam

Doch der Ort ist nicht unentdeckt geblieben in den letzten Jahren. In großen Schritten machen sie dort all die Fehler, die überall gemacht werden. Zu schnell, zu viel und zu teuer wird gebaut, nicht nachhaltig, ohne Umweltlösungen. Die Russen waren vor 5 Jahren hier, haben ihren Frauen Goldschmuck gegönnt und das Geld mit Schaufeln unter die Leute gebracht. Die Vietnamesen haben geglaubt, dass diese spendablen Besucher jedes Jahr kommen werden.  Aber sie sind weitergezogen und haben haben neue Ziele gesucht.

Die Russen kamen, aßen und verschwanden

Die mit kyrillischen Zeichen beschriftete Ladenzeile wartet auf russische Kunden.

Die Menschen in Mui Ne haben damals für die folgende Saison schnell die Preise erhöht, um an den russischen  Touristen mehr zu verdienen, aber ihr Besucherstrom ebbte ab. Nun nach drei Jahren Ruhe sind die Preise wieder normal bis günstig. Für die hier ansässigen europäischen Rentner ist das gut, denn Orte, die von wohlhabenden  Touristen entdeckt werden, können schnell zu teuer werden, um den Traum vom unbeschwerten Rentnerdasein im warmen Ausland verwirklichen zu können.

11 Antworten auf: Vietnam – Ein neues Rentnerparadies?

  • Peter

    Ist doch klar, dass man in Südostasien wie anderswo Geld braucht, um einen angenehmen Lebensstil zu entwickeln. Interessant wäre die Klärung der Frage, wie man dort im Falle einer Krankheit zurechtkommt. Was passiert mit Verstorbenen?

  • Mausi

    Die Zeiten, in denen die Westeuropäer sich in vielen Tourismusgebieten alleine breit gemacht haben, sind längst vorbei. Die wohlhabenden Russen sind überall: Kanaren, spanisches Festland, Deutschland, Frankreich, Venedig … Irgendwann kommen die Chinesen und Inder dazu. Lange dauert das nicht mehr. Denn werden die attraktiven Tourismusgegenden für preisbewußte Oldies keine Option mehr sein.

  • Fred

    Die Präsenz von unseren Rentnern im Ausland ist die stabile Entwicklung von Regionen wichtig. Die variablen Touristenströme mit kurzlebigen Trends heizen die Entwicklung der Infrastruktur an oder kühlen sie ab. Aber alles gehört zusammen. Ohne eine ausreichende Anzahl zahlungskräftiger Touristen entwickeln sich keine adäquaten medizinischen Versorgunsangebote und weitere Angebote, die auch ein Rentner beanspruchen möchte. Hat sich erstmal ein Boden entwickelt, können auch betuchte alternde Russen mit mehr Geld als die schweizer, englischen, …, oder deutschen Rentner auf die Idee kommen, es in der vietnamesischen Provinz oder an der Küste angenehm zu finden und dann wird eine Verdrängung stattfinden. Dennoch bleiben viele Länder auch in Zukunft attraktiv. Zu groß ist die Kluft der Durchschnittseinkünfte der Einheimischen im Vergleich mit den Bezügen der ausländischen Rentner.

  • fritz

    Lebte ein halbes Jahr in Vietnam , aus beruflichen Gründen . Ein sehr schönes Land , aber für immer dort leben , denke die Zeit dafür ist noch nicht reif .

  • Fred aus schweden

    …Auch ich gehe nach Vietnam meine rente ist zu klein…hab´aber ´nen vorteil:
    vietnamesiche frau!! 🙂

  • silver

    hey, leute, machen wir uns nix vor: es ist abartig, wie viele typen – egal ob rentner oder nicht – mit fetten bierbäuchen und ebensolchen glatzen, solche, die hier keine frau abkriegen, machos und andere gestörte, mal eben ab nach „asien“ fliegen. ABARTIG. die diskussion hier ist da, glaub ich als frau, ne scheindiskussion.

  • Alfred Schwab

    fred
    24.10.2015
    ohne Geld kann man nirgens leben,aber in Vietnam geht es eben schon sehr günstig.ich kenne Vietnam gut und habe auch eine vietnamesische frau die wie ich zur zeit noch in der CH leben und arbeiten.
    und nicht jeder der eine frau von dort hat, hat einen bauch, oder glatze. und niemand gibt dir die garantie, dass es mit einer CH frau fürs leben klappt.

  • martina.joerdens@yahoo.de

    hallo, wie ist die krankenversorgung für rentner in vietnam gut? gibt es eine krankenversicherung ?
    gibt es plätze in vietnam wo deutsche rentner leben?

    herzliche grüße
    martina

  • Sam

    Vung Tau an der ‚Ostsee‘ – wie die Vietnamesen den Südchinesischen Ozean nennen – vor den Toren von Saigon ist der ideale Ort, um als Rentner bestmöglich zu leben.
    Die Stadt mit ca. 250.000 Einwohnern auf einer Halbinsel gelegen, wird von drei Seiten vom Meer umspült. In der Woche eher beschaulich und am Wochenende von den Saigonern wegen der Frische, Wind und Meer bevölkert, ist nicht zu klein und nicht zu groß, um alles zu bieten, was das Herz begehrt: alle erdenklichen Angebote wie Ruhe und Beschaulichkeit bis zum Abwinken. Schaut doch mal rein z.B. in: vungtau-city.com

  • cri

    Also ich (60J aus D) würde Vietnam auch gerne mal antesten.
    Z.b. von Dezember bis April. Was ich brauche ist ein Fitness Studio, die Möglichkeit zu wandern (2-3 Std. auch wenn es immer die selbe Strecke ist) eine einfache und saubere Unterkunft und ein Motorroller. Allerdings ist meine Frau eine Schwarzafrikanerin, die das Herz auf der Zunge trägt. Gibt es da kulturelle Differenzen?
    Wäre für Hinweise dankbar.
    PS Strand und Meer sind mir nicht so wichtig.

  • Maik Maier

    Ich lebe in Thailand seit 7 Jahren,ich denke daran in Zukunft in Vietnam zu
    leben,ich habe 2500 Euro im Monat zur Verfügung,ich denke das müsste
    fuer fuer 2 Personen Ausrechend sein.Ich möchte dann mit einer Vietnamesin
    zusammen leben.Was meint Ihr dazu? Gruß von Maik aus Thailand

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