Khol Kong – Eine kambodschanische Stadt erwacht an der Grenze zu Thailand.

Es ist nicht lange her, da war hier noch überall Fährbetrieb. Die letzte Brücke nach Koh Kong ist ein Werk der freundlichen Thailänder. Über Jahrzehnte wurde Koh Kong mit dem Schiff angefahren, schon seit 5 Jahren ist die N7 fertiggestellt, die erste Brücke in Sre Ambel, ein Geschenk der Deutschen. Koh Kong war lange der versteckte Grenzort am Rand der kambodschanischen Küste, der unspektakuläre Übergang nach Thailand. Noch vor zwei Jahren totgesagt in den Asienforen im weltweiten Netz, erwacht sie nun aus dem tropischen Schlaf und der Umarmung des undurchdringlichen Dschungels des Karadam Gebirges.

Khol Kong an der Küste

Khol Kong an der Küste

Mehr und mehr gerät die Stadt in den Fokus des Tourismus. Das französische Fernsehen TF 1 dreht hier seine Abenteuerserien. Leider musste die letzte Folge abgebrochen werden, da der 25-jährige Hauptdarsteller über Armschmerzen klagte und auf dem Weg nach Phnom Penh an Herzversagen starb. Doch Frankreich bleibt der Küste treu. Verstärkt werden die Produktionen an die Südküste der alten französischen Kolonie gelegt. Hier wird ohne Rücksicht auf die weltpolitische Lage der Traum Frankreichs nach kolonialer Bedeutung in die Herzen der anreisenden Franzosen weitergetragen, Asiens französische Riviera, von Koh Kong bis Kap, mit dem Motorrad in sechs Stunden, von der Grenze Thailands an die Grenze Vietnams.

An der Küste

An der Küste

Doch Koh Kong mausert sich. Neue Sunset-Bars entstehen am Fluss, die neu erbauten Banken und Geschäftshäuser suchen nach Kunden und Mietern. Sogar der Strand ist jetzt erreichbar. Die Straße ist befestigt, der muschelübersäte Küstenabschnitt zeigt Unberührtheit, hier waren die Muschelsammler noch nicht tätig. In den wenigen Strandhütten gibt es Reisfladen mit Sojasprossen, das Bier ist kalt, denn Kühles ist auch hier überall erhältlich.

Muscheln

Muscheln

Nur wenige Deutsche sind hier geblieben. Der heftige Aderlass vor zwei Jahren hat Spuren hinterlassen. Bei Otto war der Treffpunkt, heute ist es hier sehr ruhig, ein Abgesang. Die Straße Richtung Paddys Bar war damals belebt und beliebt. Alle sind abgezogen, haben sich neue Orte gesucht, sind in Sihanoukville gelandet um ihr Geld dort zu verlieren. Ronny ist geblieben, schon acht Jahre, er betreibt drei lokale Fernsehkanäle, einen zum Englisch lernen, einen Comic-Kanal und ein Spielfilmkanal mit Werbeblocks … nach dem Film. Er mag es nicht, wenn Filme unterbrochen werden, auch ist er einer der letzten Leser. Jedes deutschsprachige Buch kauft er gerne auf.

Polizeistation am Strand

Polizeistation am Strand

Thommi ist auf dem Absprung. Noch betreibt er mit seiner kambodschanischen Frau im Spagat das Aventure-Guesthouse, doch schon seit Jahren baut er an einer Eco-Lodge in Tai Thai, an der letzten Brücke, da wo vor nicht so langer Zeit noch eine Fähre fuhr. Drei Bungalows stehen schon. So sehen sie sich selten und ihn zieht es nicht vom Fluss in die Stadt. Koh Kong wandelt sich. Das Potential ist da, unberührte berge und zauberhafte Küstenabschnitte. Doch die Chinesen sind schon da. Ein Staudamm wird in Kürze das Leben hier verändern, der Fluss hat es schon hinter sich.

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