Thailand – Deutsche Rentner auf der Flucht

Also da gibt es immer noch aktuelle TV-Berichte über Thailand, die glaubhaft erzählen, dass es das Rentnerparadies auf Erden sei. Das ist spätestens seit einem Jahr vorbei. Thailand ist ein teures Land geworden. Das Chang-Billigbier, die kleine Flasche 2,20€ in der Kneipe, 1,10€ im Seven-Eleven, und 5€ in der Disko, das ist nicht mehr witzig. Ein normales Thaiessen, noch vor einiger Zeit preislich unschlagbar, kostet heute auf der Straße 3 €. Dafür gibt es in Berlin Wedding in der Amrumerstraße ein Mittagsmenü.

Deutscher Rentner im Strandparadies

Deutscher Rentner im Strandparadies

Naja, das mit dem Bier kommt ja auch nur für die in Frage, welche die Disse zum Sterben aufsuchen, zumindest drücken das die Jungen mit ihren entsetzten Gesichtern inzwischen auch hier aus, wenn mal einer über 50 durch die wummernde Tür kommt. Thailand gehört denen, die nur kurz bleiben und viel Geld mitbringen. Und das sind mit Sicherheit nicht die Rentner. Die echte Eurokaufkraft hat in Thailand innerhalb von 6 Monaten um 30% und mehr abgenommen, die ersten Rentner haben das Land fluchtartig verlassen und sind in Südkambodscha aufgeschlagen. Mit 1200€ kommt in Thailand keiner mehr durch, schon gar nicht bei Doppelter Haushaltsführung. Es sei denn, die Rentner schlafen im Sommer auf den Parkbänken in Deutschland und füllen die Urlaubskasse mit ein paar Schwarzarbeiten auf, für den nächsten schweren Winter im tropischen Paradies.

Ein unübersehbares Zeichen der Krise sind die geschlossenen Shops in Thailand, diese machen reihenweise dicht, denn wer geht dort shoppen, wo alles wesentlich teurer ist als zu Hause. Und Chinas gefakten Produkte gibt´s zu Hause auch schon. Dafür muss keiner nach Thailand. Klar, Thailand ist ein gastfreundliches Land. Doch wird hier genau darauf geachtet, dass niemand durchgefüttert werden muss. Die Möglichkeiten des Altwerdens in Thailand unter realistischen Bedingungen für deutsche Senioren sind dahin. Es muss gewarnt werden. Der Lebenabend im Paradies, mehr Traum als Realität Der Lebenabend im Paradies, mehr Traum als Realität In der heutigen immer älter werdenden Gesellschaft sind die tatsächlichen Kosten für das „Älterwerden“ gar nicht mehr überschaubar. Nicht in Deutschland und nicht in Thailand. Gerade Dienstleistungen, die wir im Alter mehr und mehr benötigen, werden immer teurer. Jeder kann dabei zusehen, wie sein Geld zerrinnt, wie das Ersparte aufgebraucht wird. In Deutschland kann man schnell zum Sozialfall werden, auch dann, wenn man das ganze Leben gearbeitet hat. In Thailand wird man ausgewiesen, wenn man kein Geld mehr hat.

Jeden Abend zum Sunset sitzen Hans Peter (68)und Marianne (65) am Strand. Hier auf Phuket erlebten sie die schönsten Sonnenuntergänge ihres Lebens. Das war schon fast Routine. Was für den Urlauber ein Höhepunkt der Asien-Reise ist, war für das Paar aus Berlin Normalität. Hans-Peter war 30 Jahre in Berlin als Taxifahrer unterwegs, die Stadt hat er ungern verlassen, das Auto dagegen schon. Sie dachten, sie könnten sich in Thailand ihren Traum erfüllt. Sie lebten auf Phuket, der inzwischen teuersten Insel Südostasiens, so jedenfalls empfinden sie es heute. Sie werden die Insel verlassen, sie wollen nicht, aber sie müssen. Die Rente reicht nicht mehr für beide. Die Sehnsucht vieler Pensionäre, dem deutschen Alltag zwischen trübem Himmel, düsterer Politikverdrossenheit und sozialer Perspektivlosigkeit zu entkommen nimmt immer mehr zu. Thailand und Malaysia waren einmal die gefragtesten Destinationen für den ruhigen Lebensabend. Doch heute sind es Kambodscha und Vietnam. Die Kaufkraft des Geldes übersteigt hier das Doppelte, in Thailand wird sie fast halbiert. Diese Alternativen gelten besonders auch für die, die keine üppigen Rücklagen haben und von der Rentenreform vernachlässigt worden sind.

Sorgenfrei abhängen am Beach

Sorgenfrei abhängen am Beach

Altersarmut ist ein Begriff, der durch die Köpfe der Kriegsgeneration und der vergessenen Generation der geburtenstarken Jahrgänge schwebt. Die letztere hat auch noch das Pech, keine bzw. nur geringen Rentenansprüche zu haben, bei einem halben Leben Arbeitslosigkeit. Hans Peter ist vor vielen Jahren das erste Mal nach Phuket gekommen. Beim 2. Besuch hat er seine Marianne mitgenommen. Seit 12 Jahren machten sie jedes Jahr zwei Monate Urlaub hier. Jetzt ist ihr Traum geplatzt, das Haus in Strandnähe müssen sie verkaufen. Doch wer will es haben. Die Situation auf dem Immobilienmarkt in Phuket sieht katastrophal aus. Sie werden es nur stark unter Wert verkaufen können. Das waren einmal ihre Rücklagen. Altersarmut in Deutschland oder einen Neuanfang in Sinoukville in Kambodscha?

Marianne ist kraftlos, sie weiß nicht ob sie das alles noch einmal durchhält. Hans Peter macht ihr Mut. So sollte der, der seine Koffer packen möchte, um sein Leben auf der Sonnenseite zu verbringen, sich genaue Gedanken machen zur Sozialversicherung, Aufenthaltsbedingungen, zu Steuerfragen, zu den Lebenserhaltungskosten und Immobilienpreisen und vor allem beobachten, wohin sich die Länder entwickeln. Wer will schon als Rentner noch einmal Lehrgeld zahlen? Der aktive Lebensabend braucht sichere Bedingungen, dazu gehört das unversicherte Motorradfahren in Thailand nicht. Der aktive Lebensabend braucht sichere Bedingungen, dazu gehört das unversicherte Motorradfahren in Thailand nicht. Alfred (69) ist in Kambodscha angekommen. Seine Frau wollte in Deutschland bleiben. Sie haben sich im Guten getrennt. Da die Kinder auch nichts dagegen hatten, packte Alfred erst einmal seine beiden Reisetaschen und machte sich auf den Weg nach Thailand. Das war vor einem Jahr. Doch schon schnell wurde ihm klar, hier muss er wieder weg.

Thailand bleibt ein gastfreundliches Land, das ist die gute Nachricht. Doch es wird immer genauer darauf geachtet, dass niemand ohne Geld im Land ist. Die Voraussetzungen für ein Jahresvisum, das generell Ausländern ab 55 gewährt wird, ist die Bestätigung eines monatlichen Einkommens von mindestens inzwischen 1500 Euro. Oder, wer keine regelmäßige Rente hat, muss am Jahresstichtag einen Betrag von 800.000 Baht, das sind inzwischen über 21.000 Euro auf seinem Thaikonto nachweisen, jeder, als Paar das Doppelte. Wer das alles nicht kann, dem bleibt nur die Flucht.

Die Rente von Hans Peter ist eben nicht sehr hoch, in Thailand kommen sie damit nicht mehr aus. Alleine 28.000 Baht (700€) benötigen sie im Monat, wenn sie keinerlei Abstriche machen, dann noch die 12.000 Baht Miete (300€), das macht 40.000 Baht monatlich und das sind mehr als 1000 Euro. Das ist zu wenig, für das was mal Traum werden sollte. Sie fliegen morgen nach Phnom Phen und mit dem Bus weiter nach Sinoukville. Hier gibt es Wohnungen für 100$, das Moped für täglich 2$ und das Bier kostet der halbe Liter 1$. Sehr übersichtlich. „Hier ist meine Rente noch etwas wert“, sagt Hans Peter, in Deutschland wäre ich doch schon lange ein Sozialfall und in Thailand schaffe ich die Zulassungsbedingen nicht mehr für das Jahresvisum, geschweige für uns beide.“ Mit seiner Durchschnittsrente ist er in Thailand nicht mehr viel wert.

Für Hans Peter, Marianne, Alfred und die anderen war ein entscheidender Grund, sich für Phuket zu entscheiden, die Finanzierbarkeit eines Lebensabends. Das ist jetzt vorbei. Marianne und Hans Peter haben sich entschieden, nach Kambodscha zu gehen. Fast jeder in ihrem Bekanntenkreis spielt mit dem Gedanken, Deutschland zu verlassen. „In einigen Jahren gründen wir in Sinoukville das KleinBerlin.“ sagt Hans Peter und Marianne nickt etwas desillusioniert. Doch wohin geht Kambodscha? Möglicherweise ist es nur eine weitere Etappe auf der großen Flucht vor der Altersarmut. Marianne will eigentlich nicht mehr und sehnt sich nach Deutschland. Der Weg kann lang werden, vielleicht ist das Leben dafür möglicherweise doch zu kurz

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