Kambodscha. Leben mit den Khmers

Der große Platz vor dem Haus ist überdacht. Nachts stehen hier die Motorräder und für zwei TukTukfahrer ist es Garage und manchmal auch Schlafplatz geworden. Dieser Platz wird gerne genutzt. Die Auszugsparty von Anit geht den ganzen Tag. Der Fisch wird gegrillt auf den offenen Feuern des Tongrills, der Wiskey ist in kleine Wasserflaschen gefüllt und das Bier ist warm und wird mit dem Strohhalm getrunken. Die Parkplatzfläche ist mit Strohmatten ausgelegt. Anit hat hier über ein Jahr gewohnt, jetzt ist ihr Freund aus der Schweiz für ein halbes Jahr hier in Sihanoukville und hat sich ein Haus gemietet. Sie zieht dort ein und macht Platz.

Ein LIVING INSIDE Haus

Für Europäer taugliches Haus

Ihre Wohnung wird aufgenommen in die Liste einer Initiative, die günstige Daueraufenthalte in Kambodscha organisiert.  Die Macher suchen möblierte Wohnungen, die westliche Bedürfnisse befriedigen können, sich in nachbarschaftlichen Khmer-Strukturen befinden und ein soziales und kommunikatives Umfeld für Ausländer bieten. Das Bedürfnis nach Sauberkeit und vor allem die nächtliche Ruhe sind dabei nicht zu unterschätzen und sicherlich unterschiedlich zwischen Khmer und Barang (der Ausländer). Auch die Umgebung des Hauses ist dabei entscheidend, die Umweltsituation, die Verkehrsanbindung sowie sichere Parkplatzmöglichkeiten zumindest für die geliehenen Motorbikes.

Leichte Möblierung ist Standard

Leichte Möblierung ist Standard

Anits frühere Wohnung ist ideal. Das Umfeld stimmt. Ein kleiner Laden gegenüber im Haus des Hausbesitzers versorgt mit dem Nötigsten, hier gibt es die Gaskartuschen für den 1-Flammen-Kocher, hier gibt es kalte Getränke zum Selbstkostenpreis und vor allem kann man hier anschreiben lassen, denn 10$ Wechselgeld ist selten vorhanden. Auch Haarwaschmittel und Obst ist vorhanden. Das Mietshaus liegt in einer ruhigen Sackgasse. In die kleine schmale Straße fahren keine Autos, nur TukTuks, es gibt keinen Durchgangsverkehr. Es wäre hier natürlich sehr viel ruhiger, wären da nicht die Nachbarn, und die machen immer Geräusche. Das ist weltweit so. Halten auch alle die Nachtruhe ein, so kann der Vormittag schon mal für den Test der neuen Karaokeanlage genutzt werden. Der schräge laute Gesang zur überdrehten Musik dauert in der Regel nur 30 Minuten, manchmal kürzer, denn das halten auch die direkten Nachbarn nicht lange aus. Es ist kaum zu glauben, aber das Bedürfnis nach Ruhe scheint auch in Kambodscha zuzunehmen. Der ordentliche Streit zwischen zwei eifersüchtigen Frauen aus den einfachen Unterkünften nebenan dient da eher zur Unterhaltung. Khmers laufen gerne zusammen, wenn sich andere streiten.

Die Standardwohnung

Die Standardwohnung

Die Wohnung liegt im 1. Stock, zu erreichen über eine schmale Eisentreppe, die mehrere Stunden in der Sonne liegt und Barfuß tagsüber dann nicht betreten werden sollte. Auf den Stufen kann man Spiegeleier braten.

Die Wohnung selbst ist sehr schön hell und die gegenüberliegenden Fenster machen eine Luftdurchzug möglich. So wird die Sonnenlage ausgeglichen und zumindest in den Wintermonaten ist eine Aircon nicht notwendig.

Das Bad hat eine Dusche und ein Sitzklo mit Wasserspülung. Das ist nicht selbstverständlich. Das bei uns übliche Waschbecken fehlt, aber Khmers sitzen meist auf dem kühlen Badboden an der großen Plastikschale. Die kleine Handschöpfkelle ist ihr Duschersatz, der Duschkopf wird da nur zum Einlassen des Wassers benutzt. Andere Länder, andere Sitten. Man kann sich daran gewöhnen.

Übersichtliche Küche mit Lüftungsschlitzen

Übersichtliche Küche mit Lüftungsschlitzen

Die landesüblichen Luftschlitze oben in der Wand sorgen für eine spürbare Luft-Zirkulation. Die kahlen Wände könnten Fotos oder Bilder gebrauchen. Leider gibt es in Kambodscha nur sehr selten und wenig Kunst zu kaufen, ein Buddhabild wäre der Kompromiss oder ein schönes buntes Seidentuch. Die Luftschlitze machen die Wohnungen hellhörig, daran ist man schnell gewöhnt. Sollte es dennoch zu nachbarschaftlichen Lautstärkeproblemen kommen, sind die Wohnungvermittler vor Ort. Der freie und große Balkon macht diese Standardwohnung außergewöhnlich. Kontakt ist dadurch schnell und einfach möglich. Dieses Haus soll komplett mit Gästen belegt werden, so ist es der Wunsch des Eigentümers. Er hat mit dem System nur beste Erfahrungen gemacht. Beide Seiten lernen voneinander, die Sauberkeit am Haus hat spürbar zugenommen. Täglich wird der Parkplatz gefegt und steht einmal eine Mülltüte nicht am Müllplatz am Weg, wird sie schnell von irgendwem dort hin getragen.

Leben mit den Khmers

Leben mit den Khmers

Der Parkplatz ist relativ sicher, doch soll ein großes Tor ihn verschließbar machen. Gerade nagelneue Hondas verschwinden auch in dieser Stadt, das ist ein neues kambodschanisches Problem. Vor allem aber ein Problem des Mieters, denn die Honda ist nicht versichert und bei Diebstahl wird der Neuwert fällig und der liegt bei 1300-1600$ für eine Honda Wave oder Honda Dream.

Das Haus liegt in einer besseren Wohngegend. Die Internationale Universität ist ganz in der Nähe, manchmal schallt es vom Sportplatz. Auch neue private moderne Villen entstehen zunehmend, umgeben von hohen Mauern und videounterstützten Einzäunungen. Ein weltweites Problem der Besitzenden, die sich immer mehr selbst wegschließen müssen.

Die Wohnung von Anit ist nicht abgeschottet, sondern im sozialen und kommunikative Umfeld der ’normalen‘ Khmers. Die Sackgassenlage wirkt sich günstig auf Ruhe und Sicherheit aus. Hier kann man das Leben der Khmers beobachten ohne dabei zu stören. Man kann aber auch daran teilnehmen. Die Menschen sind vorbereitet auf Ausländer, hilfsbereit und kommunikativ.

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