Kennedy und die Roten Khmer im Independence Hotel

Beim Durchstöbern meines Kambodscha Bildarchivs erschienen ein paar digitalisierte Dateien auf dem Bildschirm. Leider sehr schlecht aufgelöst, Wahrscheinlich sind es gescannte Kontaktabzüge, Belegfotos für ein schnelles Auffinden der Originale. Diese Originale sind heute leider verschwunden.

Kennedy war da

Kennedy war da

Beim Durchstöbern meines Kambodscha Bildarchivs erschienen ein paar digitalisierte Dateien auf dem Bildschirm. Leider sehr schlecht aufgelöst, Wahrscheinlich sind es gescannte Kontaktabzüge, Belegfotos für ein schnelles Auffinden der Originale. Diese Originale sind heute leider verschwunden.

Kriminelle, Schmuggler und Banditen

Kinder, Kriminelle, Schmuggler und Banditen

Zu sehen ist ein heruntergekommenes Hotel, im Eingangsbereich lungern Obdachlose. Ich erinnere mich. Es muss im Jahre 1994 gewesen sein, ich war kurz nach der Öffnung des Landes mit einer Gruppe Journalisten nach Kambodscha gereist. Auch nach Sihanoukville. Ich fuhr damals alleine die Strandstraße entlang. Dort fiel mir dieses Hochhaus auf, denn bis dato hatte Sihanoukville, ja eigentlich ganz Kambodscha, gerade mal 3stöckige Häuser hervorgebracht. Eine Stadt, die noch nicht entdeckt war vom Tourismus. Doch was war das für ein Hotel?

Unübersehbar lag dort das Independence Hotel an der gleichnamigen Independence Beach. In den 60ern war hier das glamouröse Zentrum des offenen und modernen Kambodschas. Hier trafen sich die Stars und Politiker der damaligen Zeit, hier war Kennedy und hier war Catherine Deneuve und hier war die Hoffnung, aus Kambodscha ein freies weltoffenes Land zu machen.

Ein Hotel mit Geschichte. Heute ist es luxuriös renoviert, lockt mit ansprechenden Wellnessangeboten und hat auf 7 Etagen Zimmer mit fantastischem Ausblick auf das Meer und die vorgelagerten Inseln.

Damals lungerten zwielichtige Gestalten auf dem Gelände, ich erinnere mich. Ich fuhr an den Eingangsbereich.Dort lächelte eine Frau, die an einem kleinen Stand Waren verkaufte. Ich kaufte etwas, sie war sehr froh über den Besuch. Ich blieb noch etwas bei ihrem Stand, studierte in Ruhe das Treiben und ich hatte nebenbei eine gute Freundin gewonnen. Das machte mich mutig.

Der alte Eingang

Der alte Eingang

Ich bat sie, auf mein Motorrad zu achten und ging dann durch den Eingang ins Hotel. Düster waren die Flure und Räume, die Wände verschimmelt und ein übler Geruch bereitete sich überall aus. Die Decke des großen Restaurants im Erdgeschoss schien herunterzukommen. Ich ging in den 1.Stock. Ein Raum war offensichtlich eine Toilette, ein anderer Raum bewohnt, ein durchlöcherter Vorhand schützte vor Einsichten. Aus dem 3. Stock hörte ich plötzlich Geräusche, ein Stöhnen, fast ein Schreien. Ich ging die Treppe langsam und umsichtig hinauf, suchte vorsichtig den Raum und fand ihn. Er hatte keine Tür. Ich sah hinein und wurde Zeuge einer Geburt.

Ein alter Eingang wird zur Lounge

Ein alter Eingang wird zur Lounge

Ich habe den Raum wiedergefunden, fast 20 Jahre später. Der Eingang des Hotels liegt heute in einem Neubau, der alte Eingang führt jetzt in die History Bar, mehr noch, der gesamte frühere Eingangsbereich wurde zu dieser History Bar umfunktioniert. Das Rondel des damaligen Restaurants wurde zu einem eleganten Restaurant für Gourmets, ein Treffpunkt für Kenner. Das Hotel wurde damals im Volksjargon naheliegend „bprahm-bpel jawn“ genannt, denn das bedeutet „Sieben Stockwerke“. Das weiß keiner mehr. Denn heute sind sieben Stockwerke nichts besonderes.

Ich gehe hinein, in die History Bar. Ein aufmerksamer Barkeeper kommt mir entgegen. Wir kommen ins Gespräch und ich erzähle ihm, das ich vor fast 20 Jahren schon einmal hier war. Er lächelt, denn er ist erst 18, spricht ein sehr gutes Englisch. Wir sitzen an der modernen Bar, ich trinke ein kaltes Angkor-Beer zu moderatem Preis. Wir kommen ins Gespräch. Dann führt er mich zu einem Pfeiler. Dort hängt das Bild von Jacqueline Kennedy, aufgenommen 1966. Ich merke, das dem jungen Mann die Geschichte des Hotels nicht bekannt ist. Er möchte, das ich mit Freunden morgen Abend zur Live Musik kommen, es spielt eine Jazzcombo, es ist die hauseigene Band. Die Geschichte interessiert ihn nicht.

Die Spuren der tropischen Stürme

Die Spuren der tropischen Stürme

Die Glanzzeit dieses Hotels war ja auch sehr schnell vorbei. Zu Beginn des Krieges wurde es Anfang der 70iger geschlossen. Es diente während der Pol Pot Zeit von 1975 bis 1979 hochrangigen Rote-Khmer-Offizieren als Wohnort. Der Swimmingpool wurde überdacht und zum tödlichen Gefängnis umfunktioniert. Ab 1979 war es ein Umschlagplatz für illegale Waren und Waffen. Kriminelle und Schmuggler bauten es zu einem geschützten, eben schwer einsehbaren, Stützpunkt aus.

Anfang der 90er kamen dann die Mitarbeiter der UNTAC. Sie blieben vermutlich bis 1992, dann fanden 1993 die ersten freien Wahlen in Kambodscha statt. Das Hotel verfiel im tropischen Regen blitzschnell wieder in einen feuchten Dornröschenschlaf, bis dann 15 Jahre später ein kambodschanisches Konsortium mit internationaler Beteiligung das Hotel zu neuem Glanz erweckte.

Auf mein Bitten, geht der junge Barkeeper mit mir in den 3. Stock. Das alte Treppenhaus gibt es nicht mehr, wir finden den Raum über die neuen Umwege, aber er ist leider aktuell vermietet. So bleibt die Tür verschlossen. Von hier oben sind neue Gebäude zu erkennen. Hinzu gekommen ist ein kompletter Bereich “ NewIndependenceHotel“, mit Strandapartments, Sundset-Rondels und einer großen Freitreppe zu dem felsigen Küstenabschnitt. Der Independence-Beach liegt auf der anderen Seite des Felsvorsprunges.

Freitreppe ins Meer

Freitreppe ins Meer

Nach einem Konkurs vor zwei Jahren ist das Hotel jetzt in der Hand der Canadian Bank. Das scheint dem Haus gut zu bekommen. Heute erscheint es wieder freundlich und weltoffen, das Personal ist gut geschult und wer nicht scheut vor den für Kambodscha doch schon sehr hohen Preisen, wird nach seinem Aufenthalt zurückkehren an diesen Ort der wechselhaften Geschichte. Auch wenn sich dafür nicht jeder interessiert.

Dann rechne ich noch einmal genau nach. Ja, es könnte sein. Der junge Angestellte, der mich begleitet hat, hätte das Kind sein können, das in diesem Zimmer zur Welt gekommen ist. Ob er es weiß? Ich frage ihn nicht.

Der neue Eingang

Der neue Eingang

Ich verlasse das Hotel über den neuen Haupteingang, sehe die jungen Frauen an der Rezeption und freue mich über die Entscheidung des Investor, diesen so jungen Menschen hier eine Chance zu geben, etwa ganz Großes zu leisten. Ich komme wieder, vielleicht schon morgen, zur Livemusik, mit Freunden.

Independence heute

Independence heute

 

 

Eine Antwort auf: Kennedy und die Roten Khmer im Independence Hotel

  • Interessante Seite mit vielen Infos ueber Kambodscha und das Leben in Asien.Finde gut,das auch andere Themen,die nichts mit einem Urlaub zu tun haben abgehandelt werden.Wuensche dir weiterhin viel Spass bei deinen Aufenthalten in Kambodscha und Erfolg mit deiner Webseite.

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