Kambodscha – Die erste Zugfahrt nach 20 Jahren

Es war im Jahre 1994. Die von der UN kontrollierten Wahlen waren gerade unblutig zu Ende gegangen. Doch die Roten Khmer terrorisierten weiterhin das Land aus dem Hinterhalt. Nur mühsam und gefährlich konnten wir Sihanoukville erreichen. Die Stadt mit dem einzigen Hafen weit und breit. Gleich am Anfang des Ortes fiel mir die aufregende Architektur eines Gebäudes auf. Es lag an Schienen und war daher wohl um einen Bahnhof, dachte ich und ahnte nicht, dass genau dieser Bahnhof mich 20 Jahre immer wieder beschäftigen würde. Er sieht heute noch genauso aus wie damals. Er wurde entworfen und gebaut von H. Georg, einem deutschen Ingenieur in den späten 1960er Jahren. Er war der letzte der drei großen Bahnhöfe an der Strecke Phnom Penh – Sihanoukville. Eine Bahnverbindung, an der von 1960 bis 1969 gebaut wurde. Der Bahnhof in Sihanoukville wurde in Deutschland geplant, im Jahr 1967 abgeschlossen und schließlich 1969 eingeweiht. 25 Jahre sollte es dauern.

Dann wurde die Strecke nach Sihanoukville international bekannt. Im Jahr 1994 töteten Soldaten der Khmer Rouge im Zug 13 Kambodschanern und nahmen drei westliche Backpacker als Geiseln. Sie wurden kurze Zeit später getötet. Der Zugverkehr wurde eingestellt. die Gleise verfielen. Was nicht niet- und nagelfest war, wurde geklaut. Der hohe Bahndamm war anschließend Siedlungsgebiet der Khmer, denn nur so konnten sie dem jährlichen Hochwasser entgehen. Doch diese Zeiten sind längst vorbei. ( siehe Die Bahnlinie vom Meer in die Hauptstadt)

Die Bahnhöfe verfielen.

Die Bahnhöfe verfielen.

Der CEO der Royal Railway David Kerr ist stolz auf das bis heute Geleistete. Er sagte: “ Es ist ein wichtiger Schritt vorwärts für die Wirtschaft und die Menschen in Kambodscha.“ Geplant sind von der königlichen Eisenbahn drei Container-Dienste pro Woche von Phnom Penh nach Sihanoukville. Diese Dienstleistung beginnt bescheiden mit 20 Container-Wagen und wird schrittweise auf 60 Container-Wagen pro Fahrt erhöht. Die Länge des Zuges wird auf 1.000 Meter steigen und jeder Zug kann Nutzlasten von bis zu 3.000 Tonnen tragen. Mit diesem Linienverkehr können die Zielkunden, vor allem die Reedereien bedient werden. Seit Beginn des Projekts wurde der Sicherheit entlang der Strecke höchste Priorität angeordnet, trotzdem hat die königliche Eisenbahn von Kambodscha keine Pläne, Passagier-Zugverbindungen aus der Hauptstadt Phnom Penh nach Sihanoukville anzubieten. Die Strecke wird ausschließlich für Stückgutfracht und Treibstoff, Gas und Öl genutzt. Sokhom Pheakavanmony, Präsident der Königlich-Eisenbahnen, sagte, dass das Unternehmen nicht erwägt den Personenverkehr entlang der Route zu reaktivieren, obwohl es landschaftlich sehr reizvoll wäre. Behörden beendeten den Zugverkehr bis nach Sihanoukville im Jahr 2004, nach der oben erwähnten Katastrophe. Der Zustand der Schienen war im erbärmlichen Zustand und allen war eigentlich klar, eine Zugverbindung in den Süden wird es nie wieder geben.

Verbogene Gleise

2012. Verbogene Gleise

Der Güterverkehr wurde auf die Straße verlegt. Inzwischen hat der Lastwagenverkehr auf der Nationalstraße 4 ein Ausmaß angenommen, dass ein Fortkommen nur mit lebensgefährlichen Überhol- und Ausweichmanövern möglich ist. Zwar haben die Kambodschanischen Betreiber der nationalen Straße 4, das Unternehmen AZ, Mautgebühren für den Lastverkehr erhoben, aber abgenommen hat er dadurch nicht. Das Gegenteil passierte.

Kürzlich las ich, dass trotz der Aufhebung des Eisenbahn-Personenverkehrs einige Reisende doch ihren Weg an den Strand mit der Bahn finden. Ticket-Anbieter verkaufen Plätze auf den Cargo-Zügen. Gebühren: 60 Riel pro km für Ausländer und 23 Riel pro km für Einheimische ( 4000 Riel ist ein Dollar), zumindest sagte das Rath Boeun, Leiter der Exportabteilung der königlichen Eisenbahn. Züge nehmen in der Regel rund fünf kambodschanische Passagiere mit, doch gelegentlich auch Ausländer. „Aber wir mögen keine Zugkarten an Ausländer verkaufen“, sagte Boeun. Die unsicheren Zeiten von damals sind nicht vergessen.

Defekte Gleisanlagen

2011. Defekte Gleisanlagen

256 Kilometer ist die heutige Strecke von Phnom Penh zum Sihanoukville Seaport. Diese erste Reise kam nach jahrelangen Sanierungsarbeiten der Asiatischen Entwicklungsbank (ADB) und dem Königreich Entwicklungspartner zu Stande. Die ADB begrüßt diese erste kommerzielle Zugverbindung nach Port Sihanoukville, womit eine bedeutende Entwicklung hin zur Vollendung der lang ersehnte panasiatischer Railroad getan ist. Dem Traum von einer zusammenhängende Iron Road, die sich von Singapur nach Schottland erstecken soll, ist man hier in Kambodscha ein bedeutendes Stück näher gekommen.

Mit der neuen Bahn sollen die Kosten für Grundnahrungsmittel verringern werden. Doch vor allem soll die Sicherheit im Straßenverkehr verbessert werden. Die gefährlichen Güter, wie Treibstoff, gehören auf die Schiene. Bis heute fahren Tanklaster mit atemberaubender Geschwindigkeit und extremen Überholmanövern auf der N4 um ihre Termingeschäfte einhalten zu können.

Zug mit Containern.

2014. Zug mit Containern. Cargo-train

Mit dem Ausbau des Seaport und der Eisenbahnlinie in Sihanoukville bietet Kambodscha damit den größten subregionalen Verkehrsknotenpunkt in dieser Weltgegend. Mit der Zugverbindung können nunmehr Zeitaufwand und Kosten für den Transport vieler Produkten neu kalkuliert werden und sich positiv auf den Verbraucherpreis  auswirken. Doch meistens werden damit private Taschen vollgestopft.

Nach dieser Strecke sollen anschließend die 337 km Nordlinienverbindung von Phnom Penh bis Poïpet, Grenzübergang zu Thailand, fertiggestellt werden. Diese wird voraussichtlich in mehreren Phasen zwischen 2014 und 2015 eröffnet. Die gesamte Instandsetzung der Eisenbahn in Kambodscha kostete 141,6 Millionen US-Dollar. Die Projektkosten wurden finanziert durch ein ADB-Darlehen von 84 Millionen US-Dollar, weiteren 20,3 Millionen US-Dollar von der kambodschanischen Regierung sowie einer australischen Kofinanzierung in Höhe von 21,5 Millionen US-Dollar, zusätzlichen 13 Millionen Dollar aus dem OPEC-Fonds für internationale Entwicklung und einem malaysischen Zuschuss von 2,8 Millionen US-Dollar.

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