Visarun. Einmal Burma und schnell zurück – im Boot

Ein Tagesausflug der besonderen Art, für den, der Länderstempel sammelt oder seine Aufenthalt verlängern muss. Burma in einem Tag. Morgens hin, nachmittags zurück. Eine ruhige Reise mit viel Schlaf und vielen Motiven. Phi Phi Island, FantaSea, Similan Island, Visarun. So steht es auf den vielen Schildern an der Straße. Überall auf Phuket gibt es diese kleinen Reisbüros, die Verkäufer bekommen Prozente und daher verkaufen sie alles, auch den Visarun. 1.500 Baht nach Burma, 4.500 Baht nach Penang/Malaysia, 9.500 nach Kuala Lumpur und noch etwas mehr für drei Nächte in Singapur.

Auf dem Weg nach Burma. Etwas underdressed für das strenge Land.

Maria auf dem Weg nach Burma. Etwas underdressed für das strenge Land.

Robert aus Nürnberg geht nach Burma. Sein Visum muss planmäßig verlängert werden, er bleibt auf Phuket sieben Wochen, nach 30 Tagen erlischt sein Visa on arrival vom Flughafen, das so genannte Touristenvisa, das eigentlich gar kein Visum ist. Genau diesen Tag hat er sich in seinen Handytimer eingetragen. Er klingelt pünktlich. Am nächsten Morgen steht er Punkt halb sieben vor Seven Eleven, der Treffpunkt auf der Insel überhaupt. Welcher 7eleven?

Um sieben Uhr ist immer noch niemand da. Langsam biegt um die Ecke der Linienbus nach Phuket Town, auch Chickenbus genannt. Es ist ein offener alter Bus mit noch älterem Fahrer. Der Fahrer fragt nach Roberts Ziel. „Visarun“ „OK“ und da ein höflicher Thai auf jede Frage immer mit „Yes“ antworten, sitzt Robert daher im falschen Bus, der sich mit 20 km/h den Berg hochquält. Robert wird nervös, ruft seine Visarun-Agentur an. Sie wollen den Fahrer sprechen. Schnell ist das Missverständnis aufgeklärt. Nach einiger Zeit taucht ein Minibus auf, der Fahrer winkt Robert zu sich. Einen Augenblick später sitzt Robert endlich im richtigen Bus nach Ranong, und genau da will er hin. Der Bus ist voll, sein Platz ist noch frei. Neben ihm sitzt Maria, sie ist aus Italien und will nach Burma. Übermorgen fliegt sie nach Hause, da gehts nur noch ganz schnell, morgens hin, abends zurück. Sie will zuhause ihren Burma Einreisstempel zeigen, dann hat sie 14 Länder besucht auf dieser Weltreise, eins mehr als ihre Freundin, die noch im Hotel liegt und schläft. Ein kurzes Gespräch, dann passiert nichts mehr.

Alle schlafen. Eigentlich schade. Der Bus zieht Richtung Norden, kleine und größerer Orte wechseln sich ab, dann steigt er über einen Bergkamm und kurz dahinter gibt die Strecke einen Blick frei auf Khao Lak. Dann taucht er ab, das Meer sieht man erst wieder in Ranong. Eine kurze Unterbrechung für ein Thai-Frühstück, wer will. Dann heißt es weiterschlafen. Keiner unterhält sich, kein Radio, kein Gespräch, keine Fragen, alles Profis denkt Maria und Robert ist sich zunehmend sicher, dass er im richtigen Bus sitzt. Die sind ja alle so relaxt, leben sicher schon Jahre in Thailand, müssen aber alle drei Monate diese Strecke fahren.

Echtes Kapital in einem Land ohne Ausreise

Echtes Kapital in einem Land ohne Ausreise

Ranong. Immigration, es ist 12:00 Der Minibus biegt links auf den Parkplatz und dort ist er nicht allein. Die Anderen sind auch schon da. Es heißt ja schließlich Visa-RUN. Die Reisepässe werden eingesammelt. Anfänger geben diese ungerne an die wild aussehenden Schlepper mit ihren Plastik-Sporttaschen. Zeit vergeht, keine Gespräche, alles ist sehr ruhig. Dann kommt etwas Unruhe auf. Robert wird aus der Reihe geholt.

Es ist 10 Tage Overstay, das macht 5000 Baht, sofort. Die hat Robert nicht dabei. Das war es. Morgen noch einmal, aber jetzt bloß nicht erwischt werden. Wie konnte das passieren, was ist passiert. Ein Blick auf den Timer, ein Blick auf sein Visa, die 11 sieht aus wie 21. Das Visum gilt bis zum 11. und Robert hat den 21. in seinen Handytimer mit Alarm getippt. Auf sein Handy hat er sich immer verlassen. Jetzt ist er verlassen. Die Busbesatzung kehrt in den Bus zurück. Robert nimmt allen Mut zusammen und fragt Maria, ob sie ihm irgendwie aushelfen kann mit 5000 Baht. Sie kann. Das Geld ist zusammen, der Bus fährt noch einmal bei der Immigration vor, Robert zahlt die 5000 und bekommt dafür den notwendigen Ausreisestempel in seinen Reisepass.

Der Hafen von Ranong. Große Fischerboote liegen auf dem Trockenen

Der Hafen von Ranong. Große Fischerboote liegen auf dem Trockenen

Burma ruft. Der Minibus biegt in ein völlig heruntergekommenes Viertel ein, die reisepasslosen Mitfahrer werden zu einem übergroßen Longtailboot  geführt. Maria wird skeptisch. Reisepass weg, kein Geld mehr. Doch keiner sagt was. Das sind alles Profis, denkt sie. Bestimmt. Aber alleine hätte sie das nie gemacht.

Die Passvorkontrolle. Ob sie lesen können?

Die Passvorkontrolle. Ob sie lesen können?

Die Schlepper gehen als letztes an Bord. Locker schwingt die Sporttasche an der Schulter und dann fallen alle Pässe raus, ins Boot, das war knapp. Es entsteht Unruhe an Bord. Diese Schlepper sind angetrunken. Das Boot setzt zurück und nimmt Kurs auf Burma.

Ab gehts. Rechts Burma, links Thailand, in der Mitte.....

Ab gehts. Rechts Burma, links Thailand, in der Mitte…..

Außerhalb des Hafens befindet sich ein weiteres Immigration-Office. Ein Schlepper nimmt die Reisepässe, bringt sie zur Kontrolle und ist schnell zurück. Auf einer Insel in der Flusslandschaft zwischen Burma und Thailand  liegt ein kleiner Tempel. Vor dem Tempel ist eine Holzbaracke, die Soldaten sitzen im Schatten. Alle müssen hier anhalten. Die Grenzsoldaten lächeln und bieten Viagra an.

Das lukrative Nebengeschäft heißt Viagra. Nur weiß keiner was da drin ist.

Das lukrative Nebengeschäft heißt Viagra. Nur weiß keiner was da drin ist.

Niemand kauft. Dann geht es mit Vollgas nach Burma. „ No shopping, no walking, no fucking“ schreit ein Schlepper und bietet dabei seinen Whisky für 120 Baht und seine Zigarettenstangen für 150 Baht an. Niemand kauft. Das Boot landet an einem verrostet Schleppkahn, direkt an der Immigration Burma.

Burma in Sicht

Burma in Sicht

Die Einreise

Die Einreise

Jetzt heißt es warten. Immer mal wieder hebt ein burmesischer Beamter einen Reisepass hoch, der nächste Reisenden liest den Namen, dann kommt von ganz hinten der vermeintlich Gemeinte und dann ist es doch ein anderer.

Fotografieren strengstens verboten. Das war knapp

Fotografieren strengstens verboten. Das war knapp

Das dauert, aber alles ist irgendwann auch zu Ende. Maria und Robert sind früh dran. Sie haben etwas Zeit, sich das Treiben auf Burmas Straßen anzugucken. Ständig werden sie angeredet, sollen kaufen, sollen irgendwohin, sollen Geld tauschen. Sie sind freundlich aber aufdringlich die Kontakter. Ein großes Schild hängt unübersehbar an der Strasse: „Lasst uns kooperieren gegen die Entwurzelung durch narkotisierende Drogen“. Viagra gehört nicht dazu. Hier ist der Umschlagplatz, das wird jedem schnell klar. Einige Burmesen kommen in die abgesperrte Immigration hinterher. Sie bieten Whisky, Zigaretten und eben die roten, blauen und gelben  Pillen. Einer kauft gleich 100 Pakete. Er ist ein Schlepper.

Burma live und life

Burma live und life

Es ist 14:00, alle sitzen wieder im Boot. Die Fahrt über die breite Flusslandschaft ist kurzweilig, kleine Longtailboote mit wenigen Passagieren jagen durch die Wellen. Ein Kommen und Gehen, es ist der kleine Grenzverkehr. Die Schlepper verstauen ihre Ware unter den Planken. Nicht sichtbar für Unwissende. Die Reisepässe sind wieder bei ihren Besitzern, der Ein- und Ausreisestempel von Burma ist gestempelt, jetzt fehlt nur noch der Einreisestempel von Thailand, dann bietet das neue Visa on Arrival weitere 30 Tage Aufenthalt, das zumindest dachte Robert. Maria ist glücklich. Sie hat das 14. Land im Pass.

Kaum zu erkennen die bewaffneten Grenzer in ihren Grenzhäusern

Kaum zu erkennen die bewaffneten Grenzer in ihren Grenzhäusern

Der zweite Stopp an der Tempelinsel auf Thailandseite bringt die Zollkontrolle an Bord. Es sind die gleichen Soldaten, die zwei Stunden vorher noch die blauen Pillen verkaufen wollten, jetzt kontrollieren sie die, die welche gekauft haben. Sie sind freundlich und sie lächeln. Nichts passiert. Jetzt kann man kaufen und jetzt wird gekauft. Die Zigaretten kosten jetzt nur noch 120 und der Whiskey liegt inzwischen bei 100. Die Viagra 6erPackung geht heute für 150 Baht über die Schiffsplanken. 80 baht sind auch möglich, aber da weiß keiner, woher die kommen und was da überhaupt drin ist. Das kann auch schnell getrocknete Hühnerscheiße sein. Mit Vollgas schiebt sich das schmale Boot in den Schlick, es ist Ebbe, da fällt ein Schlick-Streifen von gut 8 Meter trocken. Überall liegen die Boote im Sand, es ist Ruhe eingekehrt im Hafen. Unsäglicher Dreck hat sich angesammelt, niemand wird ihn aufsammeln. Motorenteile, Eisenträger, Holzbalken und unendlich viel Plastik. Kunterbunt, fast schon Kunst, wenn es nicht so stinken würde. Der Fahrer sitzt im Minibus, der Motor läuft, die Aircon ist sehr angenehm. Der Bus gibt einem das Gefühl, man hätte geduscht. Dann die Überraschung. Die 30 Tage Visa in Ranong, das war einmal. Nach den neuen Ein- und Ausreisebedingungen in Thailand gibt es nur noch 14 Tage für den, der über Land bzw. über See einreist. Das war knapp, denkt Robert, ohne seine 10 Tage overstay hätte das ja nie gereicht. Schnell ist der 14-Tage Visa-Arrivalstempel im Pass, ein Mittagessen um die Ecke und es geht zurück nach Phuket. Robert steigt mit Maria aus und gibt ihr an der ATM Maschine das Geld zurück. Sie tauschen ihre Adressen. Sie waren dabei, beim professionellsten Tagesausflug, den die Insel zu bieten hat. Jetzt sind sie Profis. Das nächste Mal macht sie auch die Augen zu, das ist cool.

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