Tod auf Koh Samui. Das wars für Jo – er hat die Insel verlassen …

Es ist nicht lange her, als ich diese Geschichte für oxly11 schrieb: „Die Insel verlassen, aber nur als Letzter – Ausgewandert nach Koh Samui“. Jo saß mit seiner Frau in seinem großen Sofa in seinem kleinen Restaurant. Er hatte die kleine Tochter auf dem Arm, sie war gerade mal 5 Monate, glücklich erschien alles hier in einem gelebten Traum.

Am Tag vorher war ein Gast gestorben in einem seiner Bungalows. Ich sollte nicht darüber schreiben, denn er starb nicht alleine, er hatte zwei Frauen dabei,  mitgenommen aus einer Bar in Chaweng. Der Gast hatte immer ein größeres Kontingent der blauen Pillen dabei, preiswert besorgt, auf dem Visarun nach Burma, preiswert und ….nicht gut. Die Frauen haben Jo geholt und er dann den Krankenwagen und danach die Polizei. Die Frauen hat man auf der Insel nie wieder gesehen. Geschockt fürs Leben. Jo hatte immer seine Gäste gewarnt vor diesen schnellen Abenteuern, danach hat er sie abgelehnt.

Jo wollte nicht gehen, nicht freiwillig, nicht unfreiwillig und nicht im Krankenwagen. Jo wollte bleiben. Doch Jo mußte gehen, für immer. Warum? Diese Mail erhielt ich von einem seiner Stammgäste:

Hallo Ludger,
bist du noch in Südostasien?? Ich hab gerade erfahren, dass Jürgen verstorben ist. Petra und ich sind voll geschockt. Weisst du was passiert ist und wie es jetzt mit Pu Nina und dem Resort weitergeht? Was ist mit dem Baby? Bitte schreib uns zurück wenn du etwas weißt. Danke, Petra und Bernhard aus Österreich

Bis heute habe ich keine betätigte Todesmeldung, doch der Verdacht wurde Realität. Mehrere, die ihn kannten, schrieben mir. Er ist mit dem Krankenwagen abgeholt worden und hat das Krankenhaus nie mehr verlassen. So hatte er das damals nicht gemeint: Die Insel nicht mehr verlassen. Er wollte als Letzter gehen.  Er ging als Erster.  Sein Geist ist geblieben.

Und das war seine Geschichte:

Die Insel verlassen, aber nur als Letzter – Ausgewandert nach Koh Samui.

Jürgen kommt von der Weinstrasse in der Pfalz. Im Sommer ein begehrtes Gebiet bei deutschen Urlaubern. Doch schon früh stand für ihn fest, es ist nicht Deutschland, wo er bleiben möchte. In den 8Oern ging er nach Portugal auf eine Pferdefarm an der Algarve. Ein alter Portugiese hatte ihm damals das Land angeboten für 100.000 DM, das Land war 200 Meter von der Algarve entfernt mit direktem Zugang zum Meer. Vor zwei Jahren wechselte dieses Stück Erde für 1,4 Millionen Euro den Besitzer. Doch was sollte er tun? Er damals 23 Jahre alt, seine Frau schwanger und in Portugal gab es keine guten Hebammen, so sind sie nach Deutschland für die Geburt des Sohnes und dann nicht mehr zurückgekehrt. Das war sein wirklich größter Fehler, sagt Jo.

Doch der Ausreisewille ist immer geblieben. Es folgte kurz nach dem Sohn eine Tochter. Mit 27 Jahren starb seine Frau an Leukämie, Jo war nun Alleinerziehender, machte sich mit einem Kurierdienst selbständig und konnte seine lückenhafte Familie so durch die Jahre bringen. Doch die Geschäfte liefen schlecht, er musste einen Hausmeisterjob annehmen und war der erste dem gekündigt wurde nach nur 16 Monaten. Das war es, dachte er damals. Okay, dann eben Arbeitslosengeld. Doch da hatte er die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Geld vom Amt gab es nur wenn das Ersparte aufgebraucht wurde. Und da war noch ein Betrag aus den guten Jahren, die er für seine Familie zurückgelegt hatte.

Nein, das will er nicht einfach durchbringen, das Geld will er nutzen, es ist seine letzte Chance, den gnadenlosen Mühlen der Zuwendungsempfänger zu entgehen. Sein Traum wurde plötzlich wieder wach. Er bereiste Südostasien, einmal, zweimal und traf auf die Insel Phuket. Er sah sich dort um, traf auf Gästehäuser und Bars, rechnete sich alles durch und hätte fast aufgegeben, wenn er nicht durch Zufall auf einer privaten Geburtstagsfeier in der Second Road von Patong seine Phu getroffen hätte. Er war über Nacht nicht mehr alleine und Pen hat einfach ja gesagt, schon am nächsten Morgen, sie geht mit ihm überall hin.

Dann ging alles ganz schnell. Ein Angebot im Internet auf der Insel Koh Samui hatte ihn gereizt, doch dort kannte er niemanden.  Jetzt war er nicht mehr allein.

In Bangrak, der Nähe des Big Buddha Beach bei Chaweng, stand eine nagelneue Bungalowanlage, das Bee Nat Garden Resort. Jo und Pho fuhren durch das große Tor auf den Parkplatz und saßen noch auf der geliehenen Honda Dream, da war die Entscheidung gefallen, unabhängig von einander verliebten sie sich in dieses Anwesen, sofort und auf der Stelle.

10 Bungalows, ein wunderbarer Pool, ein kleines Restaurant und ein Wohnhaus. Palmenbesäumt inmitten eines tropischen Gartens lagen die teilweise noch strohbedeckten Häuser mit großer Veranda, die viel von den begeisterten Besuchern genutzt wurden. Teilweise noch strohbedeckt waren die Häuser, da es die oberen sechs Häuser beim großen Novembersturm in letzten November abgedeckt hatte. Die gute Saison des Jahres, das Ersparte, die Rücklage für die junge Familie war dahin, neue Dächer mussten her, stabil und den tropischen Winden in der Nebensaison trotzend.

Heute ist das vergessen, die kleine Tochter Nina war angekommen, ein zentraler Bestandteil war entstanden, da wurde alles andere nebensächlich. Doch seine Gäste waren ihm fast genau so wichtig, er wollte ein Stammpublikum, Menschen die immer wiederkehrten, und das war ihm bald gelungen. So wurde sein Traum wahr. Portugal war vergessen. Er wollte auf Kho Samui bleiben und wenn es sein muss als Letzter.

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