Die Schwestern des Roten Kreuzes in Korea

Ein deutsches Lazarett in Korea, wie kam das in den 1950’ern zustande? Der Koreakrieg war nach knapp 4 Millionen Toten gerade in einen anhaltenden Waffenstillstand überführt worden. Der Krieg wurde von Truppen der Demokratischen Volksrepublik Korea (Nordkorea) mit China gegen die Republik Korea (Südkorea) und UNO-Truppen geführt. In den Geschichtsbüchern steht der 25. 6. 1950 für den Beginn und der 27. 7. 1953 für das Ende des Krieges. Dabei gibt es bis heute keinen Friedensvertrag und das Land ist gespalten. Nach dem zweiten Weltkrieg, in dem die Japaner u. a. aus dem von ihnen besetzten Korea vertrieben wurden, gab es dort zwei Besatzungszonen. Der Norden wurde der Sowjetunion und der Süden den USA zugesprochen. Korea sollte eine vereinigte unabhängige Nation bleiben. Der Beginn des Kalten Krieges und die in Fernost erkennbaren Tendenzen zu kommunistischen Systemen ließen die Sowjetunion und die USA auf gegnerischen Seiten mit unterschiedlichen Interessen geraten. Der 38. Breitengrad, der Korea mittig teilt, wurde zur Demarkationslinie.

Die mit den USA kämpfenden Truppen kamen aus vielen Ländern. Deutschland war so kurz nach dem Zweiten Weltkrieg nicht auf den Seiten seiner ehemaligen Kriegsgegner dabei.

1958. Korea. Deutsches Rotes Kreuz in Pusan. Schwestern

1958. Korea. Deutsches Rotes Kreuz in Pusan. Schwestern

Aber 1953, als der Korakrieg tobte, bot der damalige Bundeskanzler und gleichzeitig Bundesminister des Auswärtigen Amtes, Konrad Adenauer, dem amerikanischen Präsidenten Eisenhower an, ein deutsches Lazarett für verwundete Soldaten in Korea einzurichten. Dafür kam es zu spät, doch von 1954 bis 1959 unterhielt Deutschland ein Lazarett in Busan, um der koreanischen Zivilbevölkerung kostenlose stationäre und ambulante Hilfe anzubieten.

Es wurde vom Deutschen Roten Kreuz betrieben und diverse Damen der Bonner Schwesternschaft wurden als Krankenschwestern nach Fernost geschickt. Das Lazarett war einem amerikanischen Stützpunkt angegliedert. Die Stadt Busan war voller Flüchtlinge. Es gab viele Verletzte. Das Lazarett befand sich in einer ehemaligen Mädchenschule.

1959 wurden schwere Vorwürfe gegen das Lazarett geäußert. Einerseits wurden die mangelhaften Hygiene beanstandet. Damals hatte Busan keine gute Kanalisation, eine improvisierte Wasserversorgung und infolge dessen wimmelte es in der überfüllten Stadt von Ratten, hieß es seitens des DRK. Die Umstände erschwerten den Betrieb des Krankenhauses.
Ein zweiter Vorwurf wog schwerer. Der Chirurg des Lazaretts, Dr. Harald Friedrichs hatte mehrmals Patienten geschlagen. Dies soll unter anderem geschehen sein, weil ein rabiater Koreaner einen koreanischen Pfleger angegriffen hatte. Ein Kölner Arzt, Dr. Rosenbaum, schrieb zehn Tage nach seinem Eintreffen im Lazarett einen bemerkenswerten Bericht. Das Lazarett sei ein „Bordellbetrieb“ und ein „Unterschlupf für verkrachte Existenzen und Nazis.“ Von „untragbaren sittlichen Verhaltensweisen“ einer gewissen Gruppe sowie „unbelehrbare eingefleischte Nazis“  berichtete Rosenbaum. Das DRK wies die Vorwürfe zurück.  Das Lazarett wurde wenige Monate später geschlossen.

Die Schwestern des Roten Kreuzes unter sich.

1958. Korea. Die Schwestern des Roten Kreuzes unter sich.

Für (West-) Deutschland war die Koreabeteiligung ein wichtiger Schritt zur Wiedererlangung der Akzeptanz durch zahlreiche ausländische Repräsentanten. Adenauers Strategie ging auf.

1958. Korea. US-Amerikanischer Stützpunkt. Militär. Soldaten

1958. Korea. US-Amerikanischer Stützpunkt. Militär. Soldaten

Für die Schwestern des Deutschen Roten Kreuzes war die Hin- und Rückfahrt auf Schiffen sowie der Aufenthalt ein großes Abenteuer. Im fotografischen Nachlass einer Schwester sind Bilder aus der Zeit erhalten geblieben.

1958. Korea. UN-Memorial für die Kriegsgefallenen

1958. Korea. UN-Memorial für die Kriegsgefallenen der Un-Truppen

Air Base  K-9 in Pusan. Rotes Kreuz

Air Base K-9 in Busan. Rotes Kreuz

Im Lazarett

Im Lazarett - Ärzte - Patienten

Militärischer Gruß vor einem deutschen Artz. Dr. Friedrichs?

General George Henry Decker, militärischer Gruß, Soldaten, Arzt

1958. Korea. Busan. Man vergleiche das Bild mit einer aktuellen Aufnahme!

1958. Korea. Busan. Man vergleiche das Bild mit einer aktuellen Aufnahme!

Weitere Fotos aus dem Nachlass der Schwester des Deutschen Roten Kreuzes sind auf unserer Website medienarchiv.com zu sehen.

Quellen:
– http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-42624414.html
– diverse Zeitungsausschnitt vom 21. 1. 1959
– Notizen aus dem Nachlass
– http://koreajoongangdaily.joinsmsn.com/news/article/article.aspx?aid=2926815
– http://www.little-angels-korea.de/files/imelda_wieners.pdf

3 Antworten auf: Die Schwestern des Roten Kreuzes in Korea

  • Peter

    Spannende Geschichte. Vergangen, vergessen und wieder hervorgekramt. Der kalte Krieg hat zu heißen Stellvertreterkriegen geführt.

    Kann man hier ein Bild reinsetzen? Irgendwie nicht, scheint es. Gebt bei Google ein: ‚Korea-Busan-Busan Tower-01‘. Dann kommt man zu einem Bild bei Wikipedia, das sich gut zum Vergleich eignet.

  • Marleen S.

    Wieder etwas gelernt! Im Grunde ist es erstaunlich, wie schnell sich das Verhältnis der Westdeutschen und der Japaner gegenüber ihrem vorherigen Feind, den USA und Alliierten, normalisierte. Der Kalte Krieg mischte die Karten neu und polarisierte scharf.
    Der Spiegel von damals stellte die Situation im Lazarett wie einen Skandal dar. Aus heutiger Sicht vermögen wir gar nicht zu beurteilen, was die Leute, die den zweiten Weltkrieg miterlebten, wie der genannte Dr. Friedrichs, der fünf Jahre in sowj. Kriegsgefangenschaft verbrachte, tickten.
    1. Weltkrieg, Revolution, Weimarer Zeit, Geldentwertung, hohe Kriegsschulden, massive Arbeitslosigkeit, dann Hitler und 2. Weltkrieg und obendrein jahrelange Kriegsgefangenschaft. „Hurra, wir leben noch!“, sagte man im 2. Weltkrieg. Der lag noch gar nicht so lange zurück. „Unterschlupf für verkrachte Existenzen und Nazis“ ist hart, angesichts der Vorgeschichten, die solche Menschen hatte. Jeder lebt in seiner Zeit und ist Spielball des Schicksals.

  • Stefan

    Solche Bilder landen nach dem Tod vieler Menschen auf dem Müll. Die Erben wollen oder können sich damit nicht auseinandersetzten. Gut, dass es Initiativen zur Bergung von altem Material gibt.

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